Aus meinem Garten


Leseproben:


Die Liebe - ein Traum *

Am ersten Tag schon nahmst du mich gefangen,
besetzt mich seither Tag und Nacht,
und wenn ich dich nur einmal nicht erträume,
machst du aus meinen Schlaf zermürbte Wacht.

Im Traum hab ich dich tausendmal geküsst,
zärtlich liebkost und viel gewagt;
dein Blick verriet mir, dass du glücklich bist,
dein Mund hat mir Unsagbares gesagt.

So sehr ist jede Nacht um dich gewebt,
so sehr ist mein Dich-Träumen eingeübt,
dass mich dein Anblick ohne Halt durchschwebt,
und mir die Ahnung sagt, ich habe dich zerliebt,
zerliebt zu einem Kunterbunt von Schemen
im Tanze um ein Du, das es nicht gibt.

* für R.D.



Manchmal

Manchmal denk' ich, es ist gut,
manchmal verliere ich den Mut,
weiß oft nicht, woran ich bin,
frage mich dann nach dem Sinn,
suche Zeichen, an der Wand,
seh dein Gesicht dort, eingebrannt.



Jeden Abend, jeden Morgen

Jeden Abend, jeden Morgen
Sehe ich dein Bild mir an,
Sehe Schönheit und, verborgen,
Was nur ich drin lesen kann.



Der schmale Pfad

Sein Anfang ist nicht weit von meinem Haus,
ein schmaler Pfad, der durch die Wiese führt,
vorbei an weit verstreuten Büschen,
zu einem Abhang hin, wo ihn das Auge dann verliert.

Unendlich zärtlich windet er sich durch das Gras,
nicht schnurgerade, sondern stets gewunden,
vorbei an Mulden und an Hügeln, so unbedeutend,
dass nur durch Spüren aufgefunden.

Kein Künstler könnte sich erdenken,
was Füße hier jahrzehntelang erschritten,
kein Maler könnte Striche ziehen
mit Fransen wie aus abertausend Tritten.

Wie oft schon gingen Menschen hier entlang,
die Nachbarn, Fremde, meine Frau und ich.
Auch heute werden sich die alten Füße plagen,
So lässt der lange Tag sich gut ertragen.



Die Zeit ist gnädig

Die Zeit ist gnädig. Der Donner ist verhallt,
die bittere Kälte wärmt uns jetzt wie milde Glut,
ein Beinbruch wiegt nicht mehr als ein gestauchter Fuß
und Steinschlag einst verleiht uns heute Mut.

Die Zeit ist gnädig. Was bitter war, verblasst;
das Liebgewesene wird starkgeträumt
und lässt du zu, dass dich die Götter lieben,
so wird der Schmerz von einst dir noch ein guter Freund.

Wir haben Glück gehabt und Damals überstanden;
wenn wir es wieder lebten, dann mit anderem Blick,
doch wie schon einmal schriebe uns danach die Zeit
betagtes Glückgehabt aufs Konto Glück.



Seminar

Der kleine Fleck weitab der Stadt,
gewählt, weil man sich dort viel stärker plagt,
entpuppte sich, in dieser langen Woche,
als Ort erbarmenswerter Jagd.

Sie war ein wenig scheu und drängte nicht nach vorne,
gepflegtes, dunkles Haar um längliches Gesicht;
sie lächelte durchaus bei vielen Späßen,
lauthalses Lachen aber sah man nicht.

Er hatte sie am ersten Tag schon auf der Kimme,
und setzte sich platztauschend Knie an Knie,
und wenn sie auch nicht freudig überschäumte,
so goss er doch den Schwall der Worte über sie.

Sein ganzer Körper sagte ständig nur "ich will",
die Augen fügten an "du kommst nicht aus";
die kleine Frau, sie wurde immer stiller,
und schließlich schlichen sie hinaus.

Zum Frühstück kamen sie gemeinsam,
sie ging errötet lächelnd hinter ihm,
und schamlos grinsend führte er die Beute
in die verlegen-stille Meute.



Ex Libris

Im dicken Mantel bist du angekommen,
als bräuchtest du vor meiner Liebe Schutz;
ich habe ihn gleich abgenommen
und drückte dich ganz fest an meine Brust.

Du warst, nach schwer beherrschtem Warten,
für meine lang gezähmte Lust bereit,
und ich strich dir, dort wo du rund bist,
mit sanften Händen übers Leinenkleid.

Von dem, was kam, mag ich nichts missen;
ich ließ mich gänzlich von dir leiten,
vertraute auf dein tiefes Wissen
und las aus dir, auch die geheimsten Seiten.