W. B. Yeats: Byzantium


Byzantium

The unpurged images of day recede;
The Emperor's drunken soldiery are abed;
Night resonance recedes, night-walkers' song
After great cathedral gong;
A starlit or a moonlit dome disdains
All that man is,
All mere complexities,
The fury and the mire of human veins.

Before me floats an image, man or shade,
Shade more than man, more image than a shade;
For Hades' bobbin bound in mummy-cloth
May unwind the winding path;
A mouth that has no moisture and no breath
Breathless mouths may summon;
I hail the superhuman;
I call it death-in-life and life-in-death.

Miracle, bird or golden handiwork,
More miracle than bird or handiwork,
Planted on the starlit golden bough,
Can like the cocks of Hades crow,
Or, by the moon embittered, scorn aloud
In glory of changeless metal
Common bird or petal
And all complexities of mire or blood.

At midnight on the Emperor's pavement flit
Flames that no faggot feeds, nor steel has lit,
Nor storm disturbs, flames begotten of flame,
Where blood-begotten spirits come
And all complexities of fury leave,
Dying into a dance,
An agony of trance,
An agony of flame that cannot singe a sleeve.

Astraddle on the dolphin's mire and blood,
Spirit after spirit! The smithies break the flood,
The golden smithies of the Emperor!
Marbles of the dancing floor
Break bitter furies of complexity,
Those images that yet
Fresh images beget,
That dolphin-torn, that gong-tormented sea.

William Butler Yeats



Byzanz

Die ungeklärten Tagesbilder weichen,
das Militär des Kaisers liegt berauscht im Bett.
Es weicht der Hall der Nacht, Nachtschwärmers Lied
nach dem lauten Schlag der Kathedrale;
Ein Dom, von Sternen oder Mond beschienen. schätzt gering
das, was den Menschen macht,
das ganze Durcheinander,
die Raserei, den Schmutz in seinen Adern.

Ein Bild schwimmt vor mir, Mensch oder Schatten,
mehr Schatten als ein Mensch, mehr Bild als Schatten,
denn Hades' Spindel, in ein Mumientuch gewunden,
kann den windungsreichen Weg entwickeln,
Ein Mund, ganz trocken und ganz ohne Atem
kann atemlose Münder rufen;
ich ruf es an, das Übermenschliche,
ich nenn es Tod-im-Leben und Im-Tode-Leben.

Ein Wunder, Vogel oder goldnes Artefakt,
mehr Wunder als ein Vogel oder Artefakt,
gepflanzt auf einen goldnen Zweig im Sternenschein,
kann wie des Hades Hähne krähen,
auch laut verhöhnen, verbittert durch den Mond
im Glanz beständiger Metalle,
gemeine Vögel oder Blütenblätter
und alles Drum und Dran aus Kot und Blut.

Es züngeln mitternächtlich vor des Kaisers Haus
Flammen, nicht von Stroh gespeist und nicht von Stahl entzündet,
nicht sturmverweht, von Flammen angezündet,
dort, wohin blutgezeugte Geister kommen
und alles Missliche der Wut verschwindet,
in einen Tanz verscheidend,
in eine Agonie der Trance,
in eine Flammenagonie, die keinen Ärmel sengt.

Sie sitzen rittlings auf den Eingeweiden des Delphins,
Geist neben Geist! Es sind die Schmieden, die die Fluten brechen,
die goldnen Schmieden aus dem Kaiserhaus!
Der Marmor dort, wo sich die Tänzer drehen
bricht bitteres, aus Wirrnis aufgekeimtes Wüten,
die Bilder, die bis jetzt
der Ursprung neuer Bilder sind,
das Meer, Delphin-zerrissen, gequält vom Schlag der Kathedrale.

William Butler Yeats, Übersetzung Frank Freimuth


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