Claude McKay

© Frank Freimuth für alle Übersetzungen


The Easter Flower

Far from this foreign Easter damp and chilly
My soul steals to a pear-shaped plot of ground,
Where gleamed the lilac-tinted Easter lily
Soft-scented in the air for yards around;

Alone, without a hint of guardian leaf!
Just like a fragile bell of silver rime,
It burst the tomb for freedom sweet and brief
In the young pregnant year at Eastertime;

And many thought it was a sacred sign,
And some called it the resurrection flower;
And I, a pagan, worshiped at its shrine,
Yielding my heart unto its perfumed power.


Die Osterlilie

Weitab von fremder, feuchter Osterkälte
strebt meine Seele weg in jene Lande,
wo lila schimmernd diese Blume glühte
und meterweit den milden Duft versandte.

Allein und ohne jedes Blattwerk, das sie schützte,
fragile Glocke wie ein frostgezeugtes Silberkleid,
enteilte sie dem Grab für kurzes, süßes Freisein
im jungen, dicken Jahr der Osterzeit.

Für viele war sie Zeichen von geweihtem Sein,
und manchem Hinweis, Er sei vom Tod erwacht;
und ich, ein Heide, kniete vor dem Schrein,
und gab mein Herz der dufterfüllten Macht.


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America

Although she feeds me bread of bitterness,
And sinks into my throat her tiger's tooth,
Stealing my breath of life, I will confess
I love this cultured hell that tests my youth!
Her vigor flows like tides into my blood,
Giving me strength erect against her hate.
Her bigness sweeps my being like a flood.
Yet as a rebel fronts a king in state,
I stand within her walls with not a shred
Of terror, malice, not a word of jeer.
Darkly I gaze into the days ahead,
And see her might and granite wonders there,
Beneath the touch of Time's unerring hand,
Like priceless treasures sinking in the sand.


Amerika

Auch wenn sie mir nur bitteres Brot gewährt
und ihre Zähne sich in meinen Hals versenken,
gestehe ich, von ihr der Lebensluft beraubt,
an diese, meine Hölle kann ich in Liebe denken.
Wie eine Woge fließt mir ihre Kraft ins Blut,
verleiht mir Stärke, wenn ihr Hass mir weht,
die Größe, die sie hat, erfasst mich wie die Flut.
Wie ein Empörer, der dem König widersteht,
steh ich in ihren Mauern ohne einen Hauch
von Schrecken, Tücke oder Niedertracht,
schau düster in die Tage, die da kommen,
und sehe ihre Herrlichkeit und steingebaute Pracht,
wie teures Gut im unbeirrten Griff der Zeit,
im Sand zerfallen zur Bedeutungslosigkeit.


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Harlem Shadows

I hear the halting footsteps of a lass
In Negro Harlem when the night lets fall
Its veil. I see the shapes of girls who pass
To bend and barter at desire's call.
Ah, little dark girls who in slippered feet
Go prowling through the night from street to street!

Through the long night until the silver break
Of day the little gray feet know no rest;
Through the lone night until the last snow-flake
Has dropped from heaven upon the earth's white breast,
The dusky, half-clad girls of tired feet
Are trudging, thinly shod, from street to street.

Ah, stern harsh world, that in the wretched way
Of poverty, dishonor and disgrace,
Has pushed the timid little feet of clay,
The sacred brown feet of my fallen race!
Ah, heart of me, the weary, weary feet
In Harlem wandering from street to street.


Die Schatten von Harlem

Ich höre sie verharren, ihre Tritte
im schwarzen Harlem, wenn die Nacht beginnt,
ich sehe Schatten, höre ihre Schritte,
wenn sie den Rufen folgen, die die Männerlust ersinnt.
Die kleinen, schwarzen Mädchen, die auf leicht beschuhten Füßen
die Nacht hindurch durch diese Straßen schleichen müssen.

Bis dann, nach langer Nacht, die Morgenglocke
den Tag begrüßt, gibt es für kleine Füße keine Rast.
Zu Ende ist die leere Nacht, wenn eine letzte Flocke
von Schnee gefallen ist und weiß die Erdenbrust umfasst.
Wenn halb entblößte Mädchen sich mit müden Füßen,
auf dünnen Sohlen durch die Straßen schleppen müssen.

Du strenge, harte Welt, musst du auf krummen Wegen
aus Armut, Schmach und Schande jederart,
die kleinen, lehmgefärbten Füße treten,
die braunen Füße, heilig, von meiner tief gefallenen Art?
Es bricht mein Herz, wie sie auf hundemüden Füßen
in Harlem durch die Straßen ziehen müssen.


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The White City

I will not toy with it nor bend an inch.
Deep in the secret chambers of my heart
I muse my life-long hate, and without flinch
I bear it nobly as I live my part.
My being would be a skeleton, a shell,
If this dark Passion that fills my every mood,
And makes my heaven in the white world's hell,
Did not forever feed me vital blood.
I see the mighty city through a mist-
The strident trains that speed the goaded mass,
The poles and spires and towers vapor -kissed,
The fortressed port through which the great ships pass,
The tides, the wharves, the dens I contemplate,
Are sweet like wanton loves because I hate.


Die weiße Stadt

Ich rede es nicht klein und beuge mich um keinen Zoll;
der lebenslange Hass in meinem Herz sitzt tief,
und Kopf erhoben, wie ich mein Leben führen soll,
steh ich dazu, dass er nur selten schlief.
Ich wäre nur Skelett, nur eine leere Haut,
wenn diese Leidenschaft, die nie und nimmer ruht
und mir den Himmel schenkt, wo ihr die weiße Hölle baut,
nicht stetig Futter wäre für mein Herzensblut.
Im Nebel sehe ich die Stadt, mit ihrer ganzen Macht,
die Masten, Türme, Spitzen dunstbeküsst,
die Züge, kreischend, Massen hetzend Tag und Nacht
den Hafen, festungsgleich, den oft ein großes Schiff durchmisst.
Die Flut, die Lager, Werften, die ich niemals lasse,
sind süß wie lusterfüllte Lieben, weil ich hasse.


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The Harlem Dancer

Applauding youths laughed with young prostitutes
And watched her perfect, half-clothed body sway;
Her voice was like the sound of blended flutes
Blown by black players upon a picnic day.
She sang and danced on gracefully and calm,
The light gauze hanging loose about her form;
To me she seemed a proudly-swaying palm
Grown lovelier for passing through a storm.
Upon her swarthy neck black shiny curls
Luxuriant fell; and tossing coins in praise,
The wine-flushed, bold-eyed boys, and even the girls,
Devoured her shape with eager, passionate gaze;
But looking at her falsely-smiling face,
I knew her self was not in that strange place.


Die Tänzerin in Harlem

Die Burschen klatschten, doch auch junge Flittchen
verfolgten, wie ihr Leib im Takte lag;
die Stimme glich dem Klang von vielen Flöten,
gespielt von Schwarzen an einem Picknicktag.
Sie sang und tanzte anmutsvoll gelassen,
der dünne Schleier war, wie Dünste sind;
sie kam mir vor wie stolze Palmenrassen,
verschönt mit dem Umtosen durch den Wind.
Auf ihren dunklen Hals fiel schwarzgelocktes Haar,
als weinbeseelte Youngsters voll Verlangen,
mit Münzen warfen, was wohl Beifall war,
und sie mit angeheiztem Blick verschlangen.
Mir wurde klar, als ich das aufgesetzte Lächeln sah:
das war nicht sie, sie selbst war gar nicht da.


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The Barrier

I must not gaze at them although
Your eyes are dawning day;
I must not watch you as you go
Your sun-illumined way;

I hear but I must never heed
The fascinating note,
Which, fluting like a river reed,
Comes from your trembling throat;

I must not see upon your face
Love's softly glowing spark;
For there's the barrier of race,
You're fair and I am dark


Der Wall

In deine Augen darf ich niemals blicken,
obwohl sie strahlen wie der junge Tag,
ich darf die Schritte nicht bewundern
auf deinem sonnenhellen Pfad.

Ich darf sie hören, nicht beachten,
die Note, die mich fasziniert,
die, flötend wie des Flusses Schilf,
in deiner Kehle hell vibriert.

Ich darf auch dein Gesicht nicht sehen,
wenn Liebesfunken sanft erglühen,
weil zwischen uns die Mauern stehen,
die Schön und Schwarz die Grenze ziehen.


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Memorial

Your body was a sacred cell always,
A jewel that grew dull in garish light,
An opal which beneath my wondering gaze
Gleamed rarely, softly throbbing in the night.

I touched your flesh with reverential hands,
For you were sweet and timid like a flower
That blossoms out of barren tropic sands,
Shedding its perfume in one golden hour.

You yielded to my touch with gentle grace,
And though my passion was a mighty wave
That buried you beneath its strong embrace,
You were yet happy in the moment's grave.

Still more than passion consummate to me,
More than the nuptials immemorial sung,
Was the warm thrill that melted me to see
Your clean brown body, beautiful and young;

The joy in your maturity at length,
The peace that filled my soul like cooling wine,
When you responded to my tender strength,
And pressed your heart exulting into mine.

How shall I with such memories of you
In coarser forms of love fruition find?
No, I would rather like a ghost pursue
The fairy phantoms of my lonely mind.


Andenken

Dein Körper war mir stets ein heiliger Ort,
ein Edelstein, verblassend vor zu greller Pracht,
wie ein Opal, den Augen schmeichelnd und in einem fort
erlesen glühend, zärtlich pochend in der Nacht.

Ich nahm dich nur mit ehrfurchtsvollen Händen,
denn du warst sanft, wie nur die Blume ist,
die aufblüht aus dem kargen Sand der Tropen
und deren Duft so schnell vorüber ist.

Mit sanfter Anmut kamst du meiner Lust entgegen,
und kam sie dann mit aller Macht herab,
so dass die Welle dich für kurze Zeit begrub,
warst du doch glücklich in dem süßen Grab.

Noch mehr als Leidenschaft war mir Vollendung,
mehr als die Hochzeitsweisen, die man sang,
der heiße Schauder, der mich überkam,
als ich den Körper sah, so schön und jung;

Die Freude schließlich, als du reiftest,
als Friede mich erfüllte wie ein kühler Wein,
wenn du die Antwort fandst auf sanfte Stärke
und unsere Herzen schlugen im Verein.

Wie sollte ich, mit der Erinnerung an dich,
den seichten Abklatsch einer Liebe wagen?
Nein, lieber will ich wie ein Geist
die Bilder meiner Träume jagen.


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O Word I Love to Sing

O word I love to sing! thou art too tender
For all the passions agitating me;
For all my bitterness thou art too tender,
I cannot pour my red soul into thee.

O haunting melody! thou art too slender,
Too fragile like a globe of crystal glass;
For all my stormy thoughts thou art too slender,
The burden from my bosom will not pass.

O tender word! O melody so slender!
O tears of passion saturate with brine,
O words, unwilling words, ye can not render
My hatred for the foe of me and mine.


Geliebtes Wort

Geliebtes Wort, du bist zu zärtlich
für all die dunkle Leidenschaft in mir
für all die Bitterkeit bist du zu zärtlich,
denn meine rote Seele find ich nicht in dir.

Du schöne Melodie, du bist zu schmächtig
und brächst wie eine Kugel ganz aus Glas;
für meinen aufgewühlten Geist bist du zu schmächtig,
du nimmst von meiner Brust nicht diese Last.

Geliebtes Wort, ihr schönen Melodien,
ihr leidentsprungenen, salzerfüllten Tränen,
ihr spröden Wörter, die mich im Stiche lassen,
ihr könnt den Hass auf unseren Feind nicht fassen.


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Wild May

Aleta mentions in her tender letters,
Among a chain of quaint and touching things,
That you are feeble, weighted down with fetters,
And given to strange deeds and mutterings.
No longer without trace or thought of fear,
Do you leap to and ride the rebel roan;
But have become the victim of grim care,
With three brown beauties to support alone.
But none the less will you be in my mind,
Wild May that cantered by the risky ways,
With showy head-cloth flirting in the wind,
From market in the glad December days;
Wild May of whom even other girls could rave
Before sex tamed your spirit, made you slave.


Wilde May

Aleta schreibt in ihren liebevollen Briefen,
inmitten all dem anderen, wunderlichen Zeugs,
dass du sehr schwach seist und, beschwert von Fesseln,
zu unfassbarem Tun und auch zum Murmeln neigst.
Dass du nicht länger frei von jeder Furcht
den roten Schimmel der Rebellin reitest,
vielmehr als Opfer schlimmen Kummers
drei braunen Schönen brav ihr Mahl bereitest.
Und trotzdem bleibst du mir im Sinn,
wie du auf schwerem Weg im Sausewind
vom Markt vergnügt nach Hause rittest,
dein Kopftuch flatternd im Dezemberwind.
Du wilde May, von der selbst Frauen süchtig sprachen,
nun hat dich Sex gezähmt und machte dich zum Sklaven.


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The White House

Your door is shut against my tightened face,
And I am sharp as steel with discontent;
But I possess the courage and the grace
To bear my anger proudly and unbent.
The pavement slabs burn loose beneath my feet,
And passion rends my vitals as I pass,
A chafing savage, down the decent street;
Where boldly shines your shuttered door of glass.
Oh, I must search for wisdom every hour,
Deep in my wrathful bosom sore and raw,
And find in it the superhuman power
To hold me to the letter of your law!
Oh, I must keep my heart inviolate
Against the potent poison of your hate.


Das weiße Haus

Verschlossen ist mir eure Tür, doch ich,
scharf wie der Stahl in meiner Unzufriedenheit;
besitze diesen Mut und zähme mich,
ertrag die Wut mit Stolz und mit Beharrlichkeit.
Die Pflastersteine brennen unter meinen Füßen
und Leidenschaft reißt mir den Leib in Stücke,
ein Wilder, tobend, in gepflegten Straßen,
wo man das stolze Glas verschleiert gegen Blicke.
Ich muss mir stündlich meine Weisheit suchen,
die sich in wunder, wutentbrannter Brust verbirgt,
um diese undenkbare Kraft darin zu finden,
das einzuhalten, was euer Recht erwirkt.
Ich muss mich schützen vor dem widerlichen Gift,
das, eurem Hass geboren, in unsere Herzen trifft.