Nachwort

© Frank Freimuth


The Kiss

I hoped that he would love me,
And he has kissed my mouth,
But I am like a stricken bird
That cannot reach the south.

For though I know he loves me,
To-night my heart is sad;
His kiss was not so wonderful
As all the dreams I had.

Dieses kleine Gedicht ist dem Album Helen of Troy and Other Poems entnommen, den Sara Teasdale 1911 veröffentlichte, also mit 27 Jahren und noch im ersten Drittel ihrer rund dreißig Jahre dauernden Schaf­fens­zeit. Obwohl sie zu jener Zeit noch ein gutes Stück von ihrer späteren Virtuosität und Reife entfernt war, zeigt die kleine Probe doch schon viel von dem, was ihre Lyrik so besonders macht.

Das Gedicht wirkt luftig und leicht und wir können es ohne großes Grübeln verstehen. Wir können die Gefühle der erzählenden Person nachempfinden, können auch mit ihr leiden, dies jedoch nicht allzu sehr, weil wir spüren, dass eine kleine Prise Ironie eingestreut ist, dass die Erzählerin es nicht todernst meint.

Es erinnert in seiner Leichtigkeit ein wenig an die lied­haften Gedichte der deutschen Romantik, ist aber frei von der Schwelgerei der Romantiker. Der Wohlklang ist vollkommen. Weder werden dem Leser Stolpersteine in den Weg gelegt noch wird er beim lauten Lesen ins Leiern geraten. Die Metapher vom verletzten Vogel ist geschickt gewählt und wirkt nicht verkrampft. Sie lässt uns mit ihrer Assoziation zum Fliegen bei allem mitfühlenden Bedauern einen Rest von Leichtigkeit. Mit sicherem Gespür für die Wirkung ist auch der Schlusspunkt gesetzt, der den Leser überrascht und schmunzeln lässt.

Musikalität, Schnörkellosigkeit und Eleganz werden Teasdales Verse über ihr ganzes Dichterleben auszeichnen. Die Unbefangenheit und das Spielerische, wenn es um die Liebe geht, werden allerdings im Laufe der Zeit einer mehr resignierten Tonart Platz machen, und die romantische Liebe selbst wird als Hauptthema abgelöst werden von Betrachtungen über die Schönheit und die Unvergänglichkeit der Natur, im Kontrast zur Vergänglichkeit des menschlichen Daseins.

Ein überaus starker Einfluss auf Teasdales Privatleben und damit indirekt auf ihre dichterische Entwicklung ging von ihrer Erziehung aus. Es lohnt daher, diese Erziehung etwas näher zu betrachten.

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Sara Teasdale wird am 8.8.1884 in St. Louis als spätes und ungeplantes Kind in eine alteingesessene und wohlhabende Kaufmannsfamilie hineingeboren. Ihr Vater, John Warren Teasdale, ein patriarchalischer, warmherziger Mann, ist bei Saras Geburt schon 45 Jahre alt. Auch die Mutter, Mary Elizabeth Willard Teasdale, ist bereits vierzig als Sara geboren wird. Sie wird als eine rastlose und reizbare Person geschildert, welche den Haushalt der Teasdales wie ein Feldwebel führt, immer in dem Bestreben, dem Haus seine Reputation zu bewahren und ihm die Vornehmheit und den Geschmack der oberen Mittelklasse zu verleihen.

Im puritanisch-viktorianischen Umfeld der Zeit wird die späte Geburt Saras für ihre Mutter ein Schock und eine Quelle großer Verlegenheit gewesen sein, sah doch die herrschende Moral die Sexualität lediglich als ein Mittel zum Zweck der Fortpflanzung. Und diese hätte zu dem Zeitpunkt, als Sara geboren wurde, nach allgemeiner Sitte schon längst abgeschlossen sein müssen. Für Mary Teasdale ist dieser Makel ein Ansporn, die Erziehung der späten Tochter zu einem mustergültigen Mitglied der gehobenen Gesellschaft mit besonderem Nachdruck zu betreiben.

Sara Teasdale ist nicht nur ein sehr behütetes, sondern auch ein verhätscheltes Kind. Weil sie zart und anfällig für Krank­heiten ist, versucht man von Anfang an, sie vor jeglicher Überforderung und Gefährdung ihrer Gesundheit zu bewahren. Kontakt mit anderen Kindern hat sie in der Zeit vor der Einschulung so gut wie nicht, vor häuslichen Pflichten wird sie verschont. Sie lebt, wie ihre spätere Freundin Williamina Parrish es einmal formulierte, wie eine Prinzessin in einem Turm.

Um ihre fragile Gesundheit nicht zu gefährden, wird Sara bis zu ihrem neunten Lebensjahr von ihrer siebzehn Jahre älteren Schwester Mamie zuhause unterrichtet. Bei Mamie findet Sara die Wärme, welche die Mutter ihr nicht zu geben vermag. Mamie bringt ihr nicht nur das Lesen bei, sondern weckt und fördert auch ihre Liebe zur Poesie. Zusammen mit Mamie liest Sara Verse von Christina Rossetti, die bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen. In dieser Zeit wird der Grundstein zu einem Gefühl der seelischen Verbundenheit mit Rossetti gelegt, das sich in späteren Jahren noch verstärken wird.

Nachdem Sara schließlich im Alter von neun Jahren für kräftig genug befunden wird, einen Schulweg auf sich zu nehmen, besucht sie bis zu ihrem Schulabschluss nach­einander drei renommierte Mädchenschulen, wo sie ihren literarischen Interessen nachgehen kann und eine Erziehung im Geiste der herrschenden viktorianischen Bildungsideale erhält. Unter anderem lernt Sara in dieser Zeit Französisch und Deutsch und liest auch deutsche Dichter, vor allem Heinrich Heine.

Bildung, insbesondere die Bildung, welche den Mädchen vermittelt wird, steht in dieser Zeit ganz im Zeichen der so genannten Genteel-Tradition. Das englische Wort "genteel", zu Deutsch "vornehm", steht hier für ein ganzes Bündel an Werten und Überzeugungen. Der Begriff wurde von dem spanischen Philosophen George Santayana (1863 - 1952) 1911 im Rahmen eines Vortrags geprägt, zu einer Zeit, als die Tradition schon ihrem Ende entgegenging. In dem Vortrag mit dem Titel The Genteel Tradition in American Philosophy beklagte er, dass eine Gruppe von Intellektuellen in Neu-England die literarischen Standards im Sinne ihrer restriktiven moralischen Vorstellungen und einer Überhöhung des Schönen und Wahren kontrolliere und dabei die wirtschaftliche, politische und moralische Realität verleugne.

Was Santayana in seinem Vortrag "Genteel-Tradition" nannte, hatte bereits lange vorher, nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs im Jahre 1865, seinen Anfang genommen. Die Vertreter dieser Tradition versuchten nicht nur, durch Ausübung ihres Einflusses als Dichter, Verleger oder Kritiker ihrem Ideal von Schönheit und Wahrheit das ganze Feld des literarischen Schaffens zu sichern, sondern sie waren auch ganz und gar der restriktiven viktorianischen Moral verpflichtet. Sie propagierten die Unverletzlichkeit des Heims und der Ehe und die strikte Einhaltung eines rigiden Moralkodex, insbesondere durch die Frauen. In Bezug auf die Sexualität sollte Zurückhaltung die Regel sein. Die Mutter wurde als Wächterin der Familienmoral betrachtet, das junge Mädchen als Modell der Reinheit.

Als Sara Teasdale kurz nach der Jahrhundertwende ihre literarische Laufbahn beginnt, ist das Erbe ihrer Erziehung gemäß der Genteel-Tradition eine zweischneidige Angelegenheit. Einerseits besitzt Sara, bedingt durch die intensive Beschäftigung mit Literatur und Poesie, bereits als junge Frau die Kompetenz, Verse von höchster Musikalität und Leichtigkeit zu schreiben, andererseits erweist sich die jahrelange Berieselung mit einschnürender Moral als eine Bürde, welche ihr ganzes Leben lang auf ihr lasten wird.

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Teasdales dichterische Entwicklung ist beachtlich und verläuft kontinuierlich. Es gibt keine Sprünge darin, wie bei der um zehn Jahre älteren Amy Lowell, mit der sie gut befreundet ist. Lowell, die zunächst herkömmliche formgebundene Lyrik schreibt, wendet sich nach dem Miss­erfolg ihres ersten Gedichtbands der Bewegung der Imagisten zu. Die Vertreter des Imagismus, einer literarischen Strömung, die um 1912 begann und nach dem Ersten Weltkrieg wieder verschwand, setzten auf die Einbeziehung der Umgangssprache in die Poesie und auf eine ausgeprägte Verwendung von Bildern. Der Metrik maßen sie wenig Bedeutung bei. Sara Teasdale war nie versucht, sich den Imagisten oder irgendeiner anderen Bewegung anzuschließen. Es finden sich zwar einige wenige freie Verse in ihren Alben, aber der überwältigende Teil ist von Metrik und Reim unterstützte, lyrische Poesie.

Das erste Album, Sonnets to Duse and Other Poems (1907), ist in Thematik und Stil noch ganz im Geist der Genteel Tradition gehalten. Neben hymnischen Sonetten an die Schau­spielerin Eleonara Duse und zwei Gedichten, die sich an die griechische Dichterin Sappho richten, finden sich darin auch Verse, welche in schwärmeri­schem Ton die Vorzüge von Freundinnen und Freun­den preisen.

Dass Teasdale einige Zeit braucht, um ihren Schreib­stil zu finden, zeigt ihr zweites Buch, Helen of Troy and Other Poems (1911). Es enthält zum einen eine Sektion mit langen ungereimten Gedichten, in denen sie jeweils eine Frau der Geschichte, unter anderem Helena von Troja und Sappho, über ihre Gefühlswelt reden lässt. Der Band enthält aber auch eine Reihe kürzerer Verse, von denen einige zu den schönsten und beliebtesten der Dichterin gehören. In Gramercy Park, Union Square, In the Metropolitan Museum, Central Park at Dusk beschreibt sie, angeregt durch eine Reise nach New York, öffentliche Plätze jeweils als Kulisse für eine kleine Geschichte vom Entstehen einer Liebe oder ihrem Scheitern.

Die Liebe ist ein Hauptthema in den ersten beiden Büchern Teasdales. Wie angesichts ihrer puritanischen Erziehung nicht anders zu erwarten, geschieht die Darstellung in überaus züchtiger Form. Es ist eine Liebe im Entstehen, ein erster Kuss, und genauso oft eine Liebe, die nicht zustande kommt. Erotische Andeutungen finden sich nur in den Gedichten, in denen die Dichterin eine andere Person an Stelle des lyrischen Ichs sprechen lässt.

Erste Eintrübungen des idealisierenden viktorianischen Bildes der Liebe zeigen sich in ihrem dritten Band, Rivers to the Sea (1917). Als das Buch noch im Entstehen ist, ist sie bereits mit dem Kaufmann Ernst Filsinger verlobt, den sie später auch heiraten wird. Die Ehe ist weniger einer leidenschaftlichen Liebe, als vielmehr der Aussicht auf wirtschaftliche Sicherheit und auf Unabhängigkeit von ihren übervorsorglichen Eltern geschuldet. Bereits einige Wochen vor der Hochzeit scheinen bei der jungen Frau Zweifel an ihrem Vorhaben aufgekommen zu sein. Ihr Zwiespalt inspiriert sie zu dem folgenden Gedicht:

I Am Not Yours

I am not yours, not lost in you,
Not lost, although I long to be
Lost as a candle lit at noon,
Lost as a snowflake in the sea.

You love me, and I find you still
A spirit beautiful and bright,
Yet I am I, who long to be
Lost as a light is lost in light.

Oh plunge me deep in love - put out
My senses, leave me deaf and blind,
Swept by the tempest of your love,
A taper in a rushing wind.

Dieses Gedicht ist eines der persönlichsten in Teasdales publizierten Werken, und es ist auch eines der schönsten. Dass es von der bevorstehenden Hochzeit inspiriert ist, bedeutet aber keineswegs, dass es den Zwiespalt, in dem sich die Dichterin befindet, autobiographisch genau beschreiben soll. Einer solchen Beschrei­bung hätten das viktorianische Erbe und auch die Rücksichtnahme auf den künftigen Ehemann ent­gegengestanden. Und so lesen sich die Verse weniger wie ein Eingeständnis fehlender Liebe, sondern eher wie die Bitte an einen anonymen Liebesgott, die angestrebte Verbindung noch durch das Hinzufügen wilder Leidenschaft vollkommen zu machen.

Immer häufiger mischen sich in Teasdales Verse auch Bezüge auf den Tod. Dies geschieht zum Beispiel in der Form, dass das Bild eines überlebenden Geliebten herauf­beschworen wird, der über das Grab der Dichterin gebeugt ist (I Shall Not Care), ein Bild, wie man es ähnlich bei Christina Rossetti findet. Oder der eigene Tod wird heraufbeschworen und als Anlass genommen, von bedrückenden Depressionen und psy­chosomatischen Beschwerden zu sprechen. Das folgende Gedicht gibt davon Zeugnis:

While I May

Wind and hail and veering rain,
Driven mist that veils the day,
Soul's distress and body's pain,
I would bear you while I may.

I would love you if I might,
For so soon my life will be
Buried in a lasting night,
Even pain denied to me.

Nach Rivers to the Sea hat Sara Teasdale den Zenit ihrer Karriere erreicht. Weil der Verlag Macmillan die Popularität der Dichterin versilbern möchte, erscheint der vierte Band Love Songs bereits 1917, also nur zwei Jahre nach dem dritten. Von den enthaltenen rund siebzig Gedichten ist die Hälfte aus den früheren Büchern übernommen. Aber es finden sich auch bedeutende neue Werke darin. Der Zyklus Interlude: Songs out of Sorrow gewinnt 1917 den Preis des National Arts Club der Poetry Society of America, und dem gesamten Band wird 1918 der Preis der Columbia Universität für den besten Gedichtband des Jahres verliehen, der Vorläufer des Pulitzer-Preises.

Noch weniger als in ihrer frühen Dichtung verzichtet Teasdale in ihrem späteren Werk auf die Ichbezogenheit in ihren Gedichten. Auch wenn sie Plätze beschreibt, tut sie dies gewöhnlich so, dass sie kleine Geschichten um ihr lyrisches Ich webt und die beschriebenen Orte zu deren Kulissen macht. Auf politische und soziale Angelegenheiten geht sie so gut wie nicht ein. Eine Ausnahme ist There Will Come Soft Rains in ihrem 1920 erschienen fünften Band Flame and Shadow. Motiviert durch den ersten Weltkrieg zeichnet sie das Schreckensbild einer Welt, in der menschliches Leben ausgelöscht ist, aber die Natur überlebt. Ray Bradbury, der Autor von Fahrenheit 451, wird dreißig Jahre später um dieses Gedicht herum eine Kurzgeschichte schreiben, in der er, mit dem Wissen des später Geborenen, ein noch weitaus schrecklicheres Szenario entfaltet als Teasdale.

Beileibe nicht alle Gedichte in der mittleren und der späten Schaffensperiode sind so pessimistisch. Aber immer mehr wird die teils launige, teils euphorische Behandlung der Liebe, welche in den frühen Bänden vorherrscht, durch Beschreibungen ihres Scheiterns ersetzt. Die veränderte Sicht auf die Liebe geht einher mit Teasdales frustrierenden Erfahrungen aus der eigenen Ehe, welche sie nicht allein ihrem Ehemann, sondern auch ihrer Erziehung anlastet, deren Erblast sie sich immer stärker bewusst wird.

Die Entzauberung ihrer Träume nimmt sie fatalistisch hin und verwandelt sie in kontemplative Verse über die Vergänglichkeit des Menschen in einer ewigwährenden majestätischen Umwelt. Ständige Kulisse in diesen Gedichten sind die See und die Sterne, welche es der schönheitssüchtigen Dichterin angetan haben. Das folgende Gedicht aus dem vorletzten Gedichtband Dark of the Moon (1926) ist nicht nur ein wunderschönes Exempel für diese Referenz auf das Meer, es zeigt auch deutlich, wie sich der Stil der Dichterin mit ihren Themen weiter entwickelt hat. Die Verse sind immer noch von hoher Musikalität, aber die Melodie hat sich verändert. Sie ist nicht mehr munter plätschernd wie ein Gebirgsbach, sondern langsam fließend wie ein breiter Strom, bevor er sich ins Meer ergießt.

Beautiful Proud Sea

Careless forever, beautiful proud sea,
You laugh in happy thunder all alone,
You fold upon yourself, you dance your dance
Impartially on drift-weed, sand or stone.

You make us believe that we can outlive death,
You make us for an instant, for your sake,
Burn, like stretched silver of a wave,
Not breaking, but about to break

Dark of the Moon ist der letzte Gedichtband, den Teasdale noch selbst herausgibt. Das endgültige Scheitern ihrer Ehe mit Ernst Filsinger, das sich schon Jahre vor­her angekündigt hatte, und die zunehmenden gesundheitlichen Probleme stürzen sie danach in eine tiefe Krise. Ihre dichterische Arbeit kommt für einige Zeit völlig zum Erliegen.

Der Gedanke, sich das Leben zu nehmen, muss schon damals in ihr gekeimt haben. Neuen Lebensmut bekommt sie 1931, als ihr der Verlag Macmillan das Angebot unterbreitet, eine kommentierte Anthologie mit Gedichten von Christina Rossetti herauszugeben. Sie unternimmt sogar eine Reise nach England, um hierfür Material zu sammeln und mit Zeitgenossen Rossettis zu sprechen. Doch die Aufgabe erweist sich als schwieriger und langwieriger, als zuerst angenommen. Als sie zu alledem noch vom Freitod ihres langjährigen Freun­des Vachel Lindsay erfährt, nimmt die Vorstellung vom eigenen Suizid konkrete Formen an.

Teasdale, die trotz ihrer gesundheitlichen und ehelichen Probleme immer eine disziplinierte und organisatorisch geschickte Arbeiterin war, lässt sich auch in der letzten Phase ihres Lebens nicht gehen. Da ihr sehr an ihrem dichterischen Nachlass gelegen ist, ordnet sie ihr Lebenswerk, sortiert unbedeutende Gedichte aus und stellt ihren letzten Gedichtband, Strange Victory, zusammen. Er erscheint 1933, kurz nach ihrem Tod. Um die Herausgabe kümmern sich Margaret Conklin und John Hall Wheelock, mit denen sie über viele Jahre befreundet war. Es ist vorwiegend ein Buch der Rückschau, auch der Würdigung guter Freunde. Wo sie vorausschaut, ist es in Form eines Aufgehens des eigenen Ichs in der Unendlichkeit der Natur. Sie geht ohne Bitterkeit.

There Will Be Rest

There will be rest, and sure stars shining
Over the roof-tops crowned with snow,
A reign of rest, serene forgetting,
The music of stillness holy and low.

I will make this world of my devising
Out of a dream in my lonely mind,
I shall find the crystal of peace, - above me
Stars I shall find.

*

Trotz des frühen Todes der Dichterin mit 48 Jahren erstreckte sich ihre dichterische Schaffenszeit über rund dreißig Jahre. Teasdale entwickelte sich in dieser Zeit in Stil und Technik weiter, folgte aber nie modischen Strömungen. Sie schuf stets das, was sie am besten konnte, nämlich schnörkellose, unsentimentale und überaus wohl­klingende Poesie. Ihre Lyrik ist zeitlos und jeder­mann zugänglich. Dies sicherte ihr zwar nicht die Treue aller Kritiker, dafür aber jene der Leserinnen und Leser, die in einem Gedicht weniger ein spekulatives Rätselspiel suchen als vielmehr ein Gesamtkunstwerk aus Klang und Text.

Im deutschen Sprachraum war Teasdale, auch mangels einer Übersetzung, von Anfang an kaum bekannt. Vielleicht kann dieses Buch dazu beitragen, ihrem Werk die Aufmerksamkeit zu vermitteln, die es verdient.