Langston Hughes: Dream Variations

Langston Hughes (1902 - 1967) war ein farbiger US-amerikanischer Schriftsteller. Neben Gedichten schrieb er auch Romane und Dramen. In den meisten seiner Gedichte geht es um die Situation der Schwarzen in Amerika. Das bekannteste dürfte wohl "I, Too, Sing America" sein, das zu einem Aushängeschild der Rassenbewegung wurde.

Bei allem politischen Engagement war Hughes aber vor allem Poet. Ein Poet, der sein Handwerk perfekt beherrschte und der auch häufig mit der Form spielte. Das folgende Gedicht "Dream Variations" gehört wohl zu seinen poetischsten.

Dream Variations

To fling my arms wide
In some place of the sun,
To whirl and to dance
Till the white day is done.
Then rest at cool evening
Beneath a tall tree
While night comes on gently,
Dark like me -
That is my dream!

To fling my arms wide
In the face of the sun,
Dance! whirl! whirl!
Till the quick day is done
Rest at pale evening ...
A tall, slim tree ...
Night coming tenderly,
Black like me.

Langston Hughes

Die Harmonie zwischen Schwarz und Weiß wird hier beschworen durch das (erträumte) Tanzen und Umherwirbeln des Sprechers, der selbst ein Schwarzer ist, am hellen, weißen Tag. Der große, schlanke Baum, der als Hort der Ruhe und des Friedens dient, weckt selbst Assoziationen an die gewöhnlich großgewachsenen Schwarzen. Der Wunschtraum wird ohne jegliche Aggression vorgetragen; die schwarze Nacht kommt sanft (gently, tenderly) nach der Rast am mattweißen Abend.

Der grundlegende Versfuß, den Hughes hier gewählt hat, ist der dreisilbige Anapäst, bei dem auf jeweils zwei schwach betonte Silben eine stark betonte folgt. Dies gibt dem Gedicht eine vorwärtsdrängende, hier fast euphorische Anmutung. Das Versmaß ist allerdings kein reinrassiges, denn bei einem Teil der Zeilen wird mit einem Jambus begonnen, also mit einer Kombination von einer wenig betonten und einer betonten Silbe. Dies ist z.B. in der ersten und der dritten Zeile der Fall. Diese Mischung der Versfüße verleiht dem Gedicht zusätzliche Dynamik.