Schnittblumen


Wie klar, welch schönes Licht

Wie klar, welch schönes Licht,
die morgendliche Sicht,
wenn sich die Strahlen zeigen;
wie lacht der Himmel frei heraus,
wo, wie ein Vogel ohne Haus,
vom Wasser tief im Osten aus
die Stunden herrlich steigen.

Heut bin ich stark genug,
nicht mehr soll mir zum Trug
das Leben sich entziehen;
die Zeit, verloren, weiß nicht wie,
heute finde, greif ich sie;
den alten Schwur, gehalten nie,
ich werde ihn vollziehen.

Er füllt den Himmel rot
und stirbt den schweren Tod,
im Westen liegt sein Grab;
jenseits von allen Sinnen,
nicht wieder zu gewinnen,
wie Wasser, die verrinnen
sinkt reuevoll der Tag.

E.A. Housman, More Poems XVI

übersetzt von Frank Freimuth



Es ist die Liebe

Es ist die Liebe, sagte sie, und was sie meinte,
das war die Liebe einer See im Sturm,
wo kleine Boote Monsterwellen reiten,
ganz tief ins Tal und hoch zum Wellenturm.

Ganz anders war die Liebe, die sie lebten,
ein stetes Segeln in geschützter, stiller Bucht,
wo selten Planken unter Stürmen bebten
und wo kein Schiffer mit Neptun Händel sucht.

Was nützt ihm Wissen, dass ein kleines Boot
so gut wie nie das Toben übersteht,
dass die Besatzung in der höchsten Not
dem Unglück nur durch Kurs zur Bucht entgeht!

Es wird kein Mensch als Kapitän geboren
und Weisheit ist ein Kind vom Sturm,
wer sie besitzt, hat manches Mal verloren,
fliegt nicht ins Tal und nicht mehr auf den Turm.

Frank Freimuth