Georgia Douglas Johnson: Your World

Obwohl die Umstände für sie nicht günstig waren, schaffte Georgia Douglas Johnson (1877 - 1966) es, eine herausragende Dichterin der sogenannten Harlem-Renaissance zu werden und einen regen Gedankenaustausch mit den anderen Dichtern der Bewegung zu pflegen. Sie schrieb vier Gedichtbände, achtundzwanzig Bühnenstücke und einunddreißig Kurzgeschichten. Wie ihre Zeitgenossen Countee Cullen und Claude McKay schrieb Johnson formgebundene, wohlklingende Poesie. Vor allem in ihrem ersten Gedichtband brachte sie die Sehnsucht der im Alltagstrott gefangenen Frau nach Selbstverwirklichung zum Ausdruck. Eines ihrer bekanntesten Gedichte ist Your World.

Wie die meisten Gedichte von Johnson ist Your World sich selbst genug und gewinnt auch nicht durch eine tiefgründige Analyse. Es fasziniert die Leserinnen und Leser durch das anschauliche, treffende Bild und den Klang, der vor ihren inneren Augen buchstäblich den Vogel in die Lüfte steigen lässt. Die letzte Zeile mit dem dreifach wiederholten "with" lässt eine fast euphorische Stimmung entstehen.

Your World

Your world is as big as you make it.
I know, for I used to abide
In the narrowest nest in a corner,
My wings pressing close to my side.

But I sighted the distant horizon
Where the skyline encircled the sea
And I throbbed with a burning desire
To travel this immensity.

I battered the cordons around me
And cradled my wings on the breeze,
Then soared to the uttermost reaches
With rapture, with power, with ease!

Das Gedicht ist so allgemein gehalten, dass es als Modell für fast jeden Fall der Selbstentfaltung taugt, gleichgültig, ob der einengende Vorzustand in der Umwelt oder der Person selbst begründet ist. Wir dürfen aber auch annehmen, dass die eigenen Erfahrungen der Autorin mit einengenden Verhältnissen darin zur Sprache kommen: als Schwarze in einer weißen Welt, als bevormundete Hausfrau in einem männerdominierten Haushalt, als weibliche Dichterin unter dominierenden männlichen Dichtern.