Robert Desnos

Der französische Poet Robert Desnos (1900 - 1945) starb nur wenige Wochen nach seiner Befreiung aus dem KZ Theresienstadt, weil er sich dort mit Typhus infiziert hatte. Das folgende Gedicht ist sein bekanntestes. Es ist in Prosa geschrieben, hat aber dennoch einen wundervollen Klang.

J'ai tant rêvé de toi

J'ai tant rêvé de toi que tu perds ta réalité.

Est-il encore temps d'atteindre ce corps vivant et de baiser sur cette bouche la naissance de la voix qui m'est chère ?
J'ai tant rêvé de toi que mes bras habitués, en étreignant ton ombre, à se croiser sur ma poitrine ne se plieraient pas au contour de ton corps, peut-être.
Et que, devant l'apparence réelle de ce qui me hante et me gouverne depuis des jours et des années, je deviendrais une ombre sans doute.
O balances sentimentales.
J'ai tant rêvé de toi qu'il n'est plus temps sans doute que je m'éveille. Je dors debout, le corps exposé à toutes les apparences de la vie et de l'amour et toi, la seule qui compte aujourd'hui pour moi, je pourrais moins toucher ton front et tes lèvres que les premières lèvres et le premier front venus.
J'ai tant rêvé de toi, tant marché, parlé, couché avec ton fantôme qu'il ne me reste plus peut-être, et pourtant, qu'à être fantôme parmi les fantômes et plus ombre cent fois que l'ombre qui se promène et se promènera allégrement sur le cadran solaire de ta vie.

Und hier die Übersetzung von Frank Freimuth:

Ich hab so sehr von dir geträumt

Ich hab so sehr von dir geträumt, dass du die Wirklichkeit verlierst.
Ist es noch Zeit, diesen lebendigen Körper zu ertasten und auf diesem Mund die Stimme wach zu küssen, die mir teuer ist?
Ich hab so sehr von dir geträumt, dass meine Arme, gewohnt, beim Umarmen deines Schattens sich vor meiner Brust zu kreuzen, sich vielleicht nicht um deinen Körper legen ließen.
Und dass, angesichts der Wirklichkeit jener, die mich seit Tag und Jahr verfolgt und beherrscht, ich vielleicht ein Schatten würde.
Oh Gleichgewicht der Gefühle.
Ich hab so sehr von dir geträumt, dass es für ein Erwachen vielleicht zu spät ist. Ich träume im Stehen, mein Körper allen Erscheinungen des Lebens und der Liebe ausgesetzt, und du, die einzige, die heute für mich zählt, ich könnte weniger dein Gesicht und deine Lippen berühren als die erstbesten Lippen und das erstbeste Gesicht.
Ich hab so sehr von dir geträumt, so oft mit deinem Phantom gesprochen und geschlafen, dass mir vielleicht, und gerade deshalb, nichts anderes bleibt, als Phantom zu sein unter den Phantomen, und hundertmal mehr Schatten als der Schatten, der sich behände über die Sonnenuhr deines Lebens bewegt.